Start abgeschlossene Projekte Modell- und Demonstrationsvorhaben "Mittelwaldähnliche Waldrandgestaltung und -nutzung"
Modell- und Demonstrationsvorhaben "Mittelwaldähnliche Waldrandgestaltung und -nutzung" PDF Drucken E-Mail

Die Landschaftstation und das Regionalforstamt Hochstift (Bad Driburg) führten zusammen ein mehrjähriges Projekt durch, das die Nutzholzarten Trauben-Eiche, Stiel-Eiche, Hainbuche, Feld-Ahorn, Winter-Linde, Elsbeere, Wacholder und Eibe im Rahmen einer mittelwaldähnlichen Nutzung von Waldrändern fördern und als Energielieferanten in Wert setzen sollten.

Das Vorhaben war ein Verbundprojekt von
- Landschaftsstation im Kreis Höxter undRFA  Hochstift

Die Partner danken derBLE Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung in Bonn für die finanzielle Förderung, die am 30.09.2011 endete.

An dieser Stelle stehen nur allgemeine Informationen zu Projektaufbau, -zeieln und -flächen.
Die ausführliche Projekt-Homepage lautet www.waldrandgestaltung.de.

Ziel des Vorhabens war die Förderung der in ihren Beständen im Rückgang befindlichen, lichtliebenden Nutzholzarten Trauben-Eiche (Quercus petraea), Stiel-Eiche (Quercus robur), Hainbuche (Carpinus betulus), Feld-Ahorn (Acer campestre), Winter-Linde (Tilia cordata), Elsbeere (Sorbus torminalis), Wacholder (Juniperus communis) und Eibe (Taxus baccata). Diese erfolgte im Rahmen einer mittelwaldähnlichen Nutzung von Waldrändern.

Die ökonomische Inwertsetzung erfolgte im Rahmen einer einmaligen Erstinstandsetzung sowie des nachfolgenden regelmäßigen Einschlages des nachwachsenden Holzes (alle 20 - 40 Jahre). Das jeweils eingeschlagene Holz wurde zur Energiegewinnung genutzt. Mittelwälder und Niederwälder stellten über Jahrhunderte die Brenn- und Bauholzversorgung sicher und waren bis in das 20. Jahrhundert hinein typisches Element der traditionellen Kulturlandschaft.



Niederwald (Foto: Frank Grawe)

Während im Niederwald der gesamte Baumbestand im Abstand von 15 - 40 Jahren auf den Stock gesetzt wurde, wurden im Mittelwald einzelne Überhälter (überwiegend Eichen) zur Wertholzerzeugung im Bestand belassen. Da nicht alle heimischen Baumarten in der Lage sind, sich durch Stockausschläge zu regenerieren, erfolgte eine Selektion hinsichtlich ausschlagkräftiger Gehölze wie Trauben-Eiche (Quercus petraea), Stiel-Eiche (Quercus robur) oder Hainbuche (Carpinus betulus).  Zurückgedrängt wurde die natürlicherweise in Mitteleuropa dominierende Buche - denn sie ist nur sehr eingeschränkt in der Lage sich über Stockausschläge zu regenerieren.


Enorme Schäden in den Nutzwäldern - v. a. den Nadelforsten -
verursachte der Orkan Kyrill am 18.1.2007 (hier: Raum Brakel; Fotos: Frank Grawe)

 

Vor allem seit Ende des 19. Jh. sind zahlreiche, z.T. über Jahrhunderte bewirtschaftete Nieder- und Mittelwälder schnellwachsenden Nadelwäldern gewichen oder sind zu Hochwäldern durchgewachsen. Da zudem in den letzten Jahrzehnten des 20. Jh. im Rahmen der naturnahen Waldwirtschaft vor allem die Buche bevorzugt wurde, die als Schattholz kaum andere Arten toleriert, sind die genannten lichtliebenden Gehölze und Kräuter und mit ihnen die Tierarten lichter Wälder in ihren Beständen stark zurückgegangen.

Im Zuge der Rohstoffverknappung und in der Folge steigender Energiekosten kommt dem Energieträger Holz seit einigen Jahren wieder eine zunehmende wirtschaftliche Bedeutung zu. Dies gilt insbesondere für ländliche Regionen wie dem Kreis Höxter. Dort wird vom Regionalforstamt Hochstift (ehemals Forstamt Bad Driburg) Brennholz seit einigen Jahren auf breiter Front als nachwachsender Rohstoff und Alternative zu fossilen Energieträgern propagiert und erfolgreich in Wert gesetzt. So wird im Kreisgebiet bereits in zahlreichen Heizungsanlagen, sowohl im öffentlichen wie auch im privaten Bereich, eine moderne Brennholznutzung in Form von Holz-Hackschnitzeln oder sog. Pellets betrieben.

Fläche vor Maßnahme (Foto: F. Grawe)


Die enorme Nachfrage nach Energieholz hat in vielen Bereichen Deutschlands bereits zu erheblichen Engpässen geführt. Sollen die im Rückgang begriffenen Zielbaumarten auf breiterer Front gefördert werden, liegt es aufgrund der stark gestiegenen Nachfrage nach Energieholz auf der Hand, den Nutzungstyp Nieder- oder Mittelwald wieder zu beleben. Ideal geeignet erscheint diese Nutzungsform im Bereich der meist stark überbestockten Waldaußen- und Innenränder, welche im großen Umfang zur Verfügung stehen. Hier finden sich überwiegend großkronige und tiefbeastete Bäume, die allenfalls als Industrieholz vermarktbar sind - ein Produkt, mit dem die Energieholznutzung konkurrieren kann!

Die erheblichen finanziellen Belastungen, welche sich für die Forstwirtschaft entlang von Straßen, Bahntrassen und Wegen aus der Verkehrssicherungspflicht ergeben, würden durch den gestuften Aufbau eines mittelwaldähnlichen Waldrandes ebenfalls deutlich verringert.


Harvester im Einsatz auf einer Projektfläche (Fotos: Frank Grawe)

Als "kostenlosen" Nebeneffekte dieser Nutzungsform wurden positive Auswirkungen für den Natur- und Artenschutz erwartet, denn gut strukturierte Waldränder verfügen über krautige Säume, blüten- und beerenreiche Sträucher sowie Bäume zweiter Ordnung. Es handelt sich um einen der artenreichsten Ökotone in der mitteleuropäischen Landschaft. Durch das mannigfache, auf kleinstem Raum wechselnde Angebot unterschiedlicher Licht-, Feuchte- und Temperaturverhältnisse werden sich derart genutzte Waldränder, ähnlich "echten" Mittelwäldern, zu wertvollen Waldbiotopen entwickeln.

Abgesehen von der Förderung der oben erwähnten Baumarten, die z. B. als Überhälter im Bestand verbleiben bzw. denen durch ihr Stockausschlagsvermögen ein Konkurrenzvorteil verschafft wird, stellte sich eine große Vielfalt an zum Teil seltenen und gefährdeten Pflanzen- und Tierarten ein.
Zu nennen sind u. a. Wacholder, Berberitze, Liguster oder diverse Rosenarten sowie lichtliebende Arten der Krautschicht wie z.B. der Frauenschuh.

Aus der heimischen Fauna profitieren v. a. Falter und Vögel (u. a. der Neuntöter oder verschiedene Grasmückenarten).
Im Biotopverbundnetz fungieren naturnahe Waldränder ferner als Ausbreitungsachsen für verschiedenste Organismengruppen.

Projektflächen waren sechs Streifen von 50 m Tiefe an Waldrändern im östlichen Kreis Höxter:



Die Flächen sind im einzelnen (Klicken Sie auf den jeweiligen Namen, um eine pdf-Datei mit einer Karte im Maßstab 1:5.000 zu erhalten):
- Bielenberg-Nordosthang im Stadtgebiet Höxter, NSG "Bielenberg",
- Ziegenberghang im Stadtgebiet Höxter, NSG "Ziegenberg",
- Steinberghang bei Wehrden im Stadtgebiet Beverungen,
- Selsberge-Südhang im Stadtgebiet Beverungen, NSG "Selsberge",
- Wandensberghang im Stadtgebiet Beverungen, NSG "Wandelnsberg",
- Weserhang unterhalb Nierenberg im Stadtgebiet Beverungen.

Zur Projekt-Homepage www.waldrandgestaltung.de.

Ausgewählet Presseartikel und -erwähnungen zum Projekt:
10.02.2010 Neue Westfälische (im Rahmen der JHV des BHD-MR Höxter-Warburg)
15.11.2011 Neue Westfälische (Tagung zu den Projektergebnissen)

Vollständige Projekt-Bezeichnung:

Modell- und Demonstrationsvorhaben im Bereich Biologische Vielfalt "Mittelwaldähnliche Waldrandgestaltung und -nutzung zur Förderung der Nutzholzarten Stiel-Eiche, Trauben-Eiche und Hainbuche sowie seltener Edellaub- und Nadelgehölze wie Elsbeere, Wacholder oder Eibe".

Zur Projekt-Homepage www.waldrandgestaltung.de.

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Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 04. März 2012 um 20:08 Uhr