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Idylle bei den Schäfern ist getrübt E-Mail

Westfalen-Blatt vom 16.12.2010

Existenzängste des Berufsstandes stehen im Blickpunkt bei der Jahreshauptversammlung der Landschaftsstation

Peckelsheim/Kreis Höxter (WB). Existenzängste der Schäfereien und Auswirkungen des Klimawandels - diese Themen haben den Schwerpunkt bei der Mitgliederversammlung der Landschaftsstation für den Kreis Höxter gebildet, die jetzt in der Zehntscheune Peckelsheim abgehalten worden ist.
Der Vorsitzende der Landschaftsstation, Albert Boyen aus Godelheim, hob in der Diskussion vor allem die Leistungen der Schäfereien für den Erhalt der Kulturlandschaft hervor. Die Schäferei Ortrun und Andreas Humpert aus Löwendorf musste den Versammlungsteilnehmern aber von den inzwischen erheblichen Existenznöten ihres Berufsstandes berichten.»Aktuell leiden die Schäfer insbesondere unter der bislang nicht erfolgten Auszahlung der Agrargelder, denn die meisten Schäfereien bestreiten einen erheblichen Teil ihres Unterhalts aus der Teilnahme an Agrarumweltmaßnahmen«, betonten sie. Deren Vergütung verzögere sich erheblich, weil die Einspeisung der Daten aus der in diesem Jahr erfolgten Überfliegung landwirtschaftlich genutzter Flächen nur langsam vonstatten gehe. »Die bisher nicht erfolgten Auszahlungen führen zu erheblichen Liquiditätsproblemen vieler Schäfereien und teilweise bis hin zur Insolvenz«, sagte Schäfer Humpert.
Mittelfristig werde es darum gehen, in welcher Höhe die Leistungen der Berufsschäfer für den Erhalt der Kulturlandschaft zukünftig honoriert werden, meinte er: »Sollte sich die Gesellschaft gegen eine Entlohnung entscheiden, wird Schafhaltung zukünftig nur noch in wenigen ausgewählten Regionen sowie in intensiveren Haltungssystemen stattfinden können.« Die Leistungen der Schäfereien für den Erhalt der Landschaft verdienten eine nach Möglichkeit existenzsicherende Honorierung, lautete anschließend der Tenor in der Versammlung.

Das Spektrum der Arbeiten der Landschaftsstation reicht von den praktischen Landschaftspflegearbeiten über Artenschutzmaßnahmen, wissenschaftlichen Erhebungen und der Betreuung von Naturschutzgebieten bis hin zu Projekten von bundesweiter Bedeutung.

»In Kooperation mit dem Regionalforstamt Hochstift und dem Biomassehof in Borlinghausen geht die Landschaftsstation neue Wege, um struktur- und artenreiche Waldränder zu schaffen«, berichtete der wissenschaftlichen Leiter der Station, Dr. Burkhard Beinlich. Der stufenweise Aufbau mittelwaldähnlicher Waldränder im Kreis Höxter finde mittlerweile bundesweit Beachtung und »zukünftig sicher auch, wie gewünscht, Nachahmer«.

In einem weiteren über den Kreis hinaus beachteten Projekt mit mehreren Partnern unter Federführung der Landschaftsstation, dem Klimawandelprojekt, gehen die Prognosen des wissenschaftlichen Leiters von einem Umdenken im Naturschutz aus. Beinlich sagte, er habe die Feststellung machen müssen, dass die seit Jahren zunehmende Frühjahrstrockenheit im April und Mai zu Rückgängen bei wertbestimmenden Arten auf den südexponierten Halbtrockenrasen führt. »Besonders betroffen sind einjährige Pflanzen, die um diese Zeit auskeimen, so etwa der Deutsche Enzian«, erklärte Beinlich. Der Naturschutz habe seine Pflegemaßnahmen in der Vergangenheit gerade auf die Entwicklung dieser Flächen konzentriert, da diese besonders artenreich seien. Zukünftig müssten im Kreis Höxter auch benachbarte klimatisch begünstigte Flächen im Fokus stehen, um die artenreichen Lebensgemeinschaften der Magerrasen erhalten zu können. Beinlich: »Dabei muss der Blick auch auf die Entwicklung von lichtdurchfluteten Waldlebensräumen gerichtet werden.«

In seiner Begrüßung war Willebadessens Bürgermeister Hans Hermann Bluhm zuvor auf das bei Willebadessen gelegene Naturschutzgebiet Kalktriften eingegangen, dessen Umgestaltung und Entwicklung in enger Zusammenarbeit mit der Landschaftsstation erfolgt ist. »Insbesondere der neu eröffnete Falterpfad erfährt eine inzwischen sehr gute Resonanz in der heimischen Bevölkerung«, sagte Bluhm.

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