Weihenschutz in der Börde


Wiesenweihen-Männchen im Flug (Foto: C. Störmer)

Bei Greifvögeln denken die meisten Leute v.a. an Rotmilan, Mäusebussard oder Turmfalke, doch kaum jemand hat hier schon mal etwas von Wiesen- oder Rohrweihe gehört. Doch auch diese beiden stark bedrohten und nur selten zu Gesicht bekommenden Greifvogelarten sind im Kreis Höxter beheimatet und kommen in der Region noch in mehr oder weniger stabilen Beständen vor.

Insbesondere die bodenbrütende Wiesenweihe hat im Kreis Höxter eines ihrer letzten Rückzugsgebiete in Nordrhein-Westfalen. Diese offenlandbewohnende Greifvogelart siedelte ursprünglich in grünlandgeprägten Flussniederungen, Heiden oder Mooren, allesamt Lebensräume, welche in NRW kaum noch zu finden sind. Infolgedessen legen die Wiesenweihen heutzutage ihre Nester bevorzugt in Getreidefeldern und Feldgrasbeständen an.

Da die Weihen erst spät mit dem Brutgeschäft beginnen (i.d.R. ab Mitte/Ende Mai) und die Aufzucht der Jungen sich bis in den August hineinziehen kann, kollidieren die Nutzungs- bzw. Erntetermine häufig mit der Brutökologie der Tiere. Ohne spezifische Schutzmaßnahmen würden die Jungvögel Gefahr laufen im Rahmen der Ernte bzw. Mahd zu Tode zukommen. Die Landschaftsstation im Kreis Höxter bemüht sich daher bereits seit mehreren Jahren, zusammen mit der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Höxter, der ABU Soest sowie mit vielen weiteren ehrenamtlichen Ornithologen aus der Region um den Schutz dieser seltenen Weihenart in der Region.  

Eine der wesentlichen Schutzmaßnahmen stellt der direkte Gelegeschutz dar. Hierzu müssen zuallererst die Brutplätze mittels Spezialequipment von Fachleuten lokalisiert werden. Nachdem die Nester ausfindig gemacht wurden, kann anschließend nach Rücksprache mit den Landnutzern bzw. Eigentümern der betroffenen Fläche sowie der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Höxter (UNB) das Gelege markiert und kleinräumig eingezäunt werden. Mittels der Einzäunung ist es möglich das Gelege vor Bodenprädatoren (z.B. Waschbär oder Fuchs) zu schützen. Je nach Möglichkeit werden hierfür einfache Elektrozäune oder zuvor angefertigte Aluminiumgitter eingesetzt. Bei anschließender Ernte des Getreides bzw. Mahd des Feldgrases wird dieser Bereich dann in einem entsprechenden Schutzradius ausgespart. Die dadurch anfallenden finanziellen Verluste für die Landnutzer werden anschließend aus öffentlichen Mitteln kompensiert.

Weitere wichtige Schutzmaßnahmen sind zum anderen die Reduktion des Prädatorendrucks in den betroffenen Bereichen. Hier arbeitet die Landschaftsstation bereits erfolgreich mit der örtlichen Jägerschaft zusammen und bemüht sich zudem um Aufklärung in der Bevölkerung. Denn nicht nur Waschbär, Fuchs und Co. können den Weihen erheblichen Schaden zufügen, auch frei laufende Hunde stellen eine ernste Bedrohung für die sensiblen Bodenbrüter dar!

Der Verbreitungsschwerpunkt der Wiesenweihe im Kreis Höxter befindet sich v.a. in der Warburger Börde. Die weitläufigen Getreide- und Feldgrasbestände stellen hier wertgebende Brutgebiete für die Tiere dar. Aber auch die in der Region noch großflächig vorkommenden Feuchtgrünländer und Bruchlandschaften bieten der Art wertvolle Nahrungshabitate. Neben der Wiesenweihe kommt hier auch noch die etwas größer und kompakter wirkende Rohrweihe als regelmäßiger Brutvogel vor. Auch diese seltene Bodenbrüterart weicht mangels natürlicher Bruthabitate häufig auf Getreidefelder aus. Die bereits erläuterten Schutzmaßnahmen kommen auch dieser stark bedrohten Weihenart zugute.  

Nur durch solch umfassende Schutzbemühungen wird es auch in Zukunft möglich sein diese beiden seltenen Weihenarten in der heutigen intensiv genutzten Kulturlandschaft zu erhalten.

Gelege einer Wiesenweihe im Feldgras
Junge Wiesenweihen im Feldgras
Schutzzaun um eine Wiesenweihengelege
Männliche Wiesenweihe im Flug (Foto: C. Störmer)

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