Extreme Dürre: Wenn Feuchtgebiete austrocknen


Ausgetrocknetes Gewässer in der Warburger Börde

Ausgetrocknetes Gewässer in der Warburger Börde

Laut Klimaatlas des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen ist der Sommer 2022 einer der trockensten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahre 1881. Dies  haben nicht nur wir Menschen zu spüren bekommen, sondern das zeigt sich auch am Zustand der Feuchtgebiete und Gewässer im Kreis Höxter. Es ist wenig verwunderlich, dass diese Lebensräume besonders sensibel auf Trockenheit reagieren. Eine Trockenheit, wie sie uns durch den Klimawandel in Zukunft wohl immer häufiger und heftiger begegnen wird. Für den Naturschutz besonders relevant sind dabei vor allem die kleineren Stillgewässer, die gerade für Amphibien von essenzieller Bedeutung sind. Aber auch andere Tiergruppen wie Heuschrecken, Tagfalter und Libellen sind auf solche Gewässer und die umliegenden Feuchtbiotope angewiesen.

Bei einer diesjährigen Kontrolle der Stillgewässer im Kreis Höxter wurde von den Mitarbeitern der Landschaftsstation ein besorgniserregender Zustand in fast allen Feuchtgebieten und Teichen dokumentiert. Besonders dramatisch zeichnete sich die Situation in den Brüchen der Börde ab, die fernab von Fließgewässern lokalisiert sind. Beinahe alle kontrollierten Gewässer waren hier vollständig ausgetrocknet und auch die angrenzenden Feuchtwiesen lagen bereits großteilig trocken, das sich u.a. in dem schlechten Zustand der Gewässerbegleitflora widerspiegelte. Nahe der Flussauen und Bachniederungen zeichnete sich dagegen ein weniger dramatisches Bild ab. Die Teiche führten zumindest in Teilen noch Wasser, auch wenn die Wasserstände bereits sehr niedrig waren. Diese Gebiete stellten somit die wichtigsten Refugialräume für hygrophile Arten in diesem Extremsommer dar.

In Zukunft wird es also immer wichtiger werden, besonderes Augenmerk auf die auennahen Gebiete zu legen, um die dortige Flora und Fauna durch gezielte Pflegemaßnahmen zu unterstützen. Beispielsweise wäre es sinnvoll, stark aufkommende Gehölze zu entnehmen, um einer zu starken Verlandung der Gewässer rechtzeitig entgegenzuwirken. Auch eine extensive Beweidung der umliegenden Grünlandflächen kann sich positiv auf die allgemeine Gewässersituation auswirken.

Ergänzend sei an dieser Stelle erwähnt, dass ein regelmäßiges Austrocknen von Amphibiengewässern nicht zwangsläufig zu einer Beeinträchtigung der Bestände führt insoweit die Gewässer ausreichend lange mit Wasser bespannt sind und die Wasserstände sich im Winter hinreichend regenerieren können. Erfolgt die Austrocknung hingegen zu früh, können die Tiere ihre aquatische Larvalphase nicht beenden und vertrocknen. Für andere Bewohner der Stillgewässer wie z.B. Libellenlarven, Wasserkäfer oder Schnecken ist selbst ein Austrocknen im Spätsommer dramatisch, da ein Großteil der Arten ganzjährig an Wasser gebunden ist. Es bleibt also abzuwarten was im Schlick der ausgetrockneten Gewässersohlen diesen Extremsommer überlebt hat und inwieweit der kommende Winter die Situation wieder etwas entschärfen kann.

Schlusswort:

Krisen bedeuten Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen. Auch wenn wir das Wetter und das Klima nicht direkt beeinflussen können, so lassen sich doch noch immer Möglichkeiten finden, einige Folgen und Auswirkungen des Klimawandels zu kompensieren und teilweise abzuschwächen.

Fast gänzlich ausgetrockneter Teich bei Rösebeck
Trockenes Gewässer bei Fürstenau
Noch mit Restwasser bespanntes Gewässer in der Beberaue
Mit Wasser bespannte Blänke auf einer Rinderweide bei Eversen

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